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Children are our Future.

Die Traumwahrmacherin

 

 

 

Die Traumwahrmacherin

                                                        Elsa Rossi

 

 

 

Vor langer Zeit lebte eine Familie auf einer Farm zwölf Meilen außerhalb von Lairg. Das ist ein sehr altes und kleines Dorf, in der wunderschönen Umgebung der schottischen Bergwelt, den berühmten “Highlands”.

 

Sie hieß “Farm der Träume”.

 

Sie befand sich hoch oben auf dem Berg und grenzte an das Ufer eines schönen und sehr langen Sees. Wer den “See der Träume” nicht kennt, könnte annehmen, dass er ein Fluss wäre.

 

Die Familie Rose waren die Eltern Anna und Mike, sowie ihre älteste Tochter Stella 17, Johnny 14 und die jüngste Hilary mit 10 Jahren.

 

Sie hatten viele Schafe, zwei Pferde und einige andere Haustiere. Damit konnte die Familie ihren Bedarf an Milch, Wolle und anderen Nahrungsmitteln decken. Manche Tiere dienten auch als Arbeits- und Fortbewegungsmittel.

 

Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen die Familie seit drei Jahren konfrontiert wurde, herrschte eine friedliche Atmosphäre unter ihnen.

 

Stella war die Stütze des Heims.

 

Die Eltern Mike und Anna sahen äußerlich gesund aus. Doch gab es da eine Krankheit, mit der sich beide angesteckt hatten. Sie konnten weder lange Spaziergänge, noch Ausritte über das Land machen, wie sie es früher so gerne getan hatten.

 

Seit drei Jahren trug Stella nun schon die volle Verantwortung für das Haus.

 

Sie hatte ein sehr gütiges Herz, in dem nur Liebe und Geduld Platz hatten. Diese Tugenden hatte sie von klein auf von ihren Eltern, die sehr religiös und Kenner der spiritistischen Lehre waren, gelernt.

 

Herr Rose hatte nur je ein Exemplar der Bücher: „Das Evangelium im Lichte des Spiritismus“ und „Das Buch der Geister“. Er hatte sie von einem Reisenden erhalten, der über das Land seiner Eltern wanderte, als er noch jung war.

 

Er studierte beide Bücher intensiv und fand die Antwort darauf, wie man gottgefällig leben sollte.

 

Aufgrund dieser Bücher erzog er seine Kinder mit viel Liebe.

 

Deshalb hielt seine Familie sehr zusammen.

 

Sein Traum hatte sich erfüllt.

 

Tochter Stella, die sehr hilfsbereit war, trieb die zwölfköpfige  Viehherde im Winter  in die Scheune und schor die Schafe im Sommer.

 

Sie fuhr jede Woche mit Johnny zusammen in die Stadt. Dafür nahmen sie den Wagen, der vom Pferd Baio gezogen wurde. Sie holten die notwendigen Lebensmittel, bezahlten die Rechnungen, handelten den Preis für die Wolle nach der Schur aus und organisierten noch vieles mehr.

 

Johnny und Hilary waren bei der Pflege der Eltern sehr behilflich und unterstützten Stella bei allem.

 

So schafften sie es gemeinsam die Hausarbeit zu bewältigen und das gute Verständnis füreinander half ihnen dabei.

 

Alle fühlten sich gut. Sie kannten weder Streit noch Hass.

 

Es war wirklich eine glückliche Familie.

 

Stella achtete darauf, dass Hilary und Johnny jeden Tag pünktlich zur Schule gingen.

 

Sie fuhren täglich die sechs Meilen mit dem Fahrrad zur Schule nach Lairg, umgeben von einer wunderschönen Landschaft.

 

Stella hatte eine starke Ausstrahlung. Sie tat soviel Gutes, sodass sie die Schwierigkeiten, die ihr auf ihrem Lebensweg begegneten, mit Sicherheit und in Demut überwandt.

 

Aufgrund ihrer Vorschläge und Ratschläge geschahen denjenigen, die sie aufsuchten, viele gute Dinge.

 

Dadurch wurde sie in der Umgebung als “Traumwahrmacherin” bekannt.

 

Sie erhielt diesen Titel von dem Tag an, als ein verzweifeltes Paar sie mit ihrem Sohn besucht hatte. Er war mit psychomotorischen Störungen geboren worden und die Ärzte konnten ihn nicht heilen.

 

Während eines routinemäßigen Ganges zum Arzt, hielt die Familie am Ufer des Sees an, um sich auszuruhen. Da sahen sie wie Stella eines der Schäfchen trug, das in einen Graben gefallen war und ein Beinchen gebrochen hatte.

 

Der Reisende näherte sich und half ihr das Schäfchen auf den Rücken des Pferdes zu heben. Beide begannen ein vertrauliches Gespräch.

 

Stella lädt das Paar zu sich nach Hause auf eine Tasse heißen Tee ein. Sie hatten ja noch die sechs Meilen zum Dorf zurückzulegen, von wo aus sie den Zug nehmen würden, der sie ans  gewünschte Ziel bringen sollte.

 

Sie nehmen die Einladung gerne an. Stella bittet nun den kleinen Kranken zu sehen und trägt ihn in ihren Armen.

 

Das Kind sah aus wie ein einjähriger Junge. Er war aber in Wirklichkeit schon drei Jahre alt. Er schien zu schlafen. Plötzlich machte er einen Laut und öffnete die Augen.

 

Die Eltern drehten sich erschreckt um, schauten auf ihren Sohn  und erblickten die geöffneten Augen. Er stieß weiter Töne aus, die sie zuvor noch nie von ihm gehört hatten.

 

Für Stella war das normal.

 

Für die Eltern war das ein unbekanntes Phänomen. Ihr Sohn war nach der Geburt ein Jahr lang im Krankenhaus. Dann eröffneten die Ärzte dem Paar, dass sie das Kind nach Hause mitnehmen könnten. Sie sagten weiter: Das Kind wird die meiste Zeit die Augen geschlossen halten. Sein Körper wird sich nur sehr langsam entwickeln und es wird eine Lernbehinderung haben. Mit dem Wachstum werden noch andere Probleme dazukommen.

 

- Das ist ja wie ein Traum. Stammelte die Mutter.

 

Der Vater hatte dasselbe Gefühl. Auch ihm kam es wie ein Tagtraum vor. Ihr Sohn hatte einen Ton ausgestoßen. So was hatten sie zuvor noch nie von ihm gehört.

 

So gingen sie weiter, bis sie den Gipfel des Hügels erreichten.

 

Sie sahen Rauch aus dem Schornstein aufsteigen. Kamin und Ofen waren mit viel Brennholz angeheizt worden und sie waren nun sicher, dass eine heiße Tasse Tee sie erwartete.

 

                                               

Als sie sich der Tür näherten, wurden sie von Hilary in Empfang genommen. Sie hatte sie schon durch das verglaste Fenster, das Richtung Norden zeigte und von wo aus der Wind stark blies, erlblickt.

 

Die Fensterscheiben waren immer sehr sauber, damit man die schöne Landschaft des Sees und der Berge, die im Winter mit Schnee bedeckt waren, genießen konnte.

 

Das Paar, Herr Winston Clarke und Frau Maggie, traten nun zur Tür ein. Eingehüllt  in die Wärme dieses Hauses, fühlten sie sich sehr wohl. Die Eltern von Stella lächelten und boten heißen Tee und Kekse, die Mutter Anna so gut backen konnte, an.

 

Nach einiger Zeit kam wieder ein kindlicher Ton aus dem Zimmer, in das sie den kleinen George zum Ausruhen hingelegt hatten.

 

Maggie, die Mutter, konnte sich nun nicht mehr zurückhalten. Mit einem Satz war sie im Zimmer. Sie sah den Kleinen, wie er mit erhobenen Händen unbeholfen versuchte, seinen kleinen Kopf vom Kissen zu heben.

 

Maggie stieß einen Schrei aus. Alle eilten nun zu ihr und sahen wie der kleine George lächelnd da saß.

 

- Es ist ein Traum! Mein Gott, wie ist das möglich? Sagte Maggie, vor Freude fast weinend.

 

Stella, die etwas entfernt stand, betete nun zu Gott. Das tat sie immer in solchen Momenten. Es war nicht das erste Mal, dass so etwas geschah.

 

Die junge Frau nähert sich nun wieder den anderen und bittet darum, George erneut in ihrem Schoß halten zu dürfen.

 

Sie bittet das Paar sich neben sie auf die Bank und die anderen sich auf die Bettkante zu setzen.

 

In ruhigem Tonfall spricht sie nun zu allen.

 

- Liebe Freunde.

 

- Danken wir Gott für dieses Geschenk.

 

- Es ist an der Zeit, dass euer Sohn aus den Fängen des Bösen, das ihn befallen hat, befreit wird. Dies hat bis jetzt verhindert, dass sich sein Geist mit seinem Körper vollständig verbindet.

 

- Von heute an wird George frei davon sein und somit auf den Weg der Genesung gebracht...

 

- Diese Freiheit aber erfordert Nächstenliebe, Dankbarkeit gegenüber Gott, sowie wohltätiges Handeln und unumschränkte Toleranz.

 

- Lasst uns alle beten und dem heiligen Freund Jesus für die Besserung von George danken. Langsam wird er seine Gesundheit wiedererlangen. Habt viel Glauben und Vertrauen in Gott.

 

Und sie beginnt ein wunderbares Gebet der Dankbarkeit, das schweigend von den  Anderen begleitet wird!

 

Danach stand sie mit George im Schoß auf und sagt:

 

-Tut, was getan werden muss. Geht zum Arzt, um die routinemäßigen Untersuchungen durchzuführen, aber vertraut darauf, dass der größte Arzt der Seelen, Jesus, sich um euren Sohn kümmert.

 

- Versucht bitte, diese Tatsache nicht zu bewerten oder darüber zu reden. Habt die Gewissheit in euren Herzen, dass die Liebe alle Fehltritte durch Vergebung, Hingabe und Nächstenliebe gegenüber den anderen, besiegt.

 

Stellas Vater, der die drei Kinder moralisch und mit Gott im Herzen erzogen hatte, dankte Jesus für die inspirierten Worte der Tochter.

 

So war jener Nachmittag für das Paar Maggie und Winston voller Freude. Sie bedankten sich überschwänglich und setzten ihre Reise fort.

 

George bekam vor der Abreise Küsse und Umarmungen zusammen mit viel liebevoller Energie von allen Mitgliedern der Familie Rose.

 

Nachdem die andere Familie fortgegangen war, fing Hilary an, sich an Ereignisse von früher zu erinnern, Ereignisse, an denen Stella beteiligt war.

 

Schon als Stella noch sehr jung war, gelang es ihr immer etwas Außergewöhnliches zu vollbringen. Egal, ob die Personen vom Leben entmutigt, ohne Hoffnung, krank oder betrübt waren, oder ob sie  Probleme anderer Art hatten.

 

Stella gab ihnen Worte des Trostes, der Stärkung und der Ermutigung. Viele, die sie aufsuchten, kamen von entfernten Orten und folgten ihrer Aufforderung,  das Leben mit Liebe und Toleranz, in Frieden und Brüderlichkeit, mit dem Willen zur Vergebung und zur Einigkeit zu gestalten.

 

Sie begannen ihre Probleme auf eine andere Art zu sehen, ja, sie wirklich zu begreifen und verbesserten so ihre Lebenssituation.

 

Hervorzuheben ist, dass die “Traumwahrmacherin” sich niemals selbst in den Vordergrund stellte und doch so gefragt war. Sie gab nur das, was sie bekam - die Gabe zu lieben, zu verstehen, zu helfen und mit Demut im Herzen zu leben.

 

Wenn diejenigen, die zu ihr kamen, um bei ihren Problemen geholfen zu bekommen, ihre Eltern kennen lernten, fühlten sie sich sogar beschämt. Sie fassten nun noch mehr Vertrauen zu den Worten von Stella. Sie verweigerte niemandem ihre Hilfe, egal wer sie  auch aufsuchte.

 

Ein wichtiges Detail.

 

Stella bat immer alle, dass sie das, was ihnen zuteil wurde, für sich behielten, dass sie Gott dafür danken sollten und auf dem Weg von Jesus blieben.

 

Trotzdem verbreitete sich die Nachricht, dass es im schottischen Hochland eine junge Fee gab, die Träume wahrmachen konnte.

 

Eine der wohl bemerkenswertesten Begebenheiten, die bekannt geworden sind, war die vom Ehepaar Smith. Sie lebten in der Farm neben der von Stellas Eltern.

 

Sie waren schon seit 6 Jahren verheiratet. Ihr größter Wunsch war es, ein Kind zu bekommen, nur eins, das wäre traumhaft.

 

Das Ehepaar Smith glaubte nicht an Gott, denn der Urgroßvater, Großvater und die Eltern hatten sie so erzogen.

 

Mehr noch, beide fürchteten alles, was mit Religion zusammenhing, denn viele ihrer Vorfahren wurden im Namen der Religion getötet.

 

Nun erlebten sie aber täglich, wie vorbildlich die Familie Rose lebte und sie sahen auch, dass die Kinder sich immer sehr gut benahmen. Da reifte in ihnen der Entschluss sich Rat bei Stella einzuholen, wie es schon andere Freunde des Ehepaares Smith getan hatten.

 

 

Also machten sie es.

 

Sie besuchten die Familie Rose, unterhielten sich mit Stella und lachten viel. Sie fühlten sich glücklich und etwas veränderte sich in ihrem Inneren.

 

Sie bemerkten, dass das Zuhause der Familie Rose anders war. Sie spürten eine erleuchtete, strahlende spirituelle Atmosphäre. Die Atemluft war angenehm leicht. Alle, die je in dieses Haus kamen, fühlten sich gut.

 

Es war ein christliches Heim!

 

Stella lehrte die beiden, wie man betet. Sie erzählte ihnen über das Wirken Jesu, von dem sie zuvor nie gehört hatten, der somit nie Teil ihres Lebens war.

 

Nach fünf Monaten stattet das Ehepaar der Familie Rose wieder einen Besuch ab. Sie überbrachten die freudige Nachricht, dass sie in ca. sechs Monaten zum ersten Mal Eltern werden würden.

 

Große Freude machte sich breit und alle umarmten sich innig.

 

Anna, die Mutter, war sehr glücklich darüber und sagte, während sie die befreundete Nachbarin umarmte, dass sie gerne dabei behilflich wäre, wenn die Säuglingsausstattung ansteht.

 

Herr Rose erklärte sich bereit, eine Wiege zu zimmern. Er konnte mit Holz sehr gut umgehen.

 

Mit Freudentränen umarmte Frau Smith Stella und sagt:

 

-Liebe “Traumwahrmacherin”.

 

- Wir danken Gott für das Privileg dich zu kennen. Du hast uns geholfen Jesus kennen zu lernen, Gott zu lieben und unseren größten Wunsch zu erfüllen: Ein Kind zu bekommen.

 

- Jetzt werden wir, nach langen Jahren des Wartens, endlich Eltern. Wir sind sehr glücklich!

 

Stella sagte sehr gerührt:

 

 

- Frau Smith, ohne die Hilfe unseres Meisters Jesu und der Helfer aus der Geistigen Welt, vollbringe ich nichts. Ganz entscheidend ist aber der eigene Verdienst.

 

Und sie sprach weiter:

 

- Ohne Ihren eigenen Verdienst könnte ich nichts erreichen. Ich bin nichts aus mir selbst heraus. Ich bin ein Mensch, der nur als Mittler fungiert. Ich bewirke nichts allein. Gott ist unser Vater und er möchte, dass wir alle glücklich sind. Es liegt an uns.

 

Und so vergingen die Tage. Die “Traumwahrmacherin” fand ihre Lebensaufgabe. Sie heiratete schließlich einen jungen Mann, der in der Anglikanischen Kirche in Lairg ministrierte.

 

Sie hatten viele Kinder. Allen wurden die Lehren Jesu von klein auf beigebracht, genauso wie Stella sie einst von ihren geliebten Eltern erhalten hatte.

 

                                                     

                                                                                                Ende

 

Urheberrechte:

 

Spiritist Group of Brighton

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Übersetzung: Franziska Kranz

Revision: Udo Peters www.alkastar.de

 

 

 

 

Camila und Caio